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Ferrari 250 SWB © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Maserati A6 an der Tankstelle © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
American La France © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Bentley Blower © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Corvette Split Window © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Corvette © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Lamborghini Countach © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Lincoln Premiere © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mercedes Benz 600 © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Rolls-Royce Phantom © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
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Ford Crestline Sunliner © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Sparsam, aber untermotorisiert: Mercedes Heckflosse © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Puch 500 © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Citroen 2 CV © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Fährt mit 8 - 10 Liter auf 100km ganz sportlich: Fiat 124 Coupe © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Sparsam und sportlich: Lotus © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Sparsam und unkaputtbar: Mercedes W123 Diesel © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
"Was frisst denn der?"

Speziell Freunde grossvolumiger US-Cars sind mit dieser Frage immer wieder konfrontiert. Einer meiner Oldtimerfreunde, selbst Besitzer eines Ami-V8, hat in diesem Fall immer die richtige Antwort parat: "so um die 100 Liter!" nachdem dem neugierigen Frager die Kinnlade runtergeklappt war, kommt als Zusatz "...im Jahr...".

Und damit hat mein Freund nicht gelogen: der Tank des Strassenkreuzers fasst um die 100 Liter, einmal vollgetankt kommt man damit fast ein Jahr über die Runden. Man fährt mit so einem Fahrzeug ja nicht täglich zur Arbeit. Ein Ausritt bei schönem Wetter, die Fahrt zu einem Oldtimertreffen, vielleicht mal Brauttaxi bei einer Hochzeit - das alles in gemächlichem Tempo - da genehmigt sich selbst der riesige V8 gerade mal ein wenig mehr als 10 Liter.
Anders sieht es natürlich aus, wenn man die Kiste auf der Autobahn tritt oder im Nachmittagsverkehr am Wiener Gürtel im Stau steckt, da ist der Tank schnell leer.
Aber welchen Oldtimerfreund interessiert das? Zu diesem Zweck hat man sein Alltagsfahrzeug, das einen zuverlässig zur Arbeit bringt. In kaum einem anderen Medium wird mehr über den Benzinverbrauch diskutiert, wie in deutschen Autozeitschriften. Die Deutschen messen gerne, das weiss man. Und sie machen selbst vor Oldtimern nicht halt. Man findet Messreihen, bei denen der Benzinverbrauch einer Corvette, eines Mercedes 600 und eines Rolls-Royce ermittelt wird - und dem einer Ente, eines Opel Kadett oder eines Käfers gegenübergestellt wird. Ob das ganze nun der gelebten Praxis entspricht, sei dahingestellt.

Wer einen Oldtimer fährt, der wählt sein Fahrzeug nicht nach dem Benzinverbrauch aus. Eine Ente fährt man, weil man die Ente liebt, eine Corvette fährt man, weil einem die Form gefällt, weil einem das Grummeln und die brachiale Kraftentfaltung des V8 gefällt, einen Rolls-Royce liebt man wegen des edlen Interieurs aus Wurzelholz und Leder und einen Alfa Spider fährt man ohnehin nur offen.

Treibstoffkosten spielen in der Oldtimerei eine nur untergeordnete Rolle. Neben Restauratioskosten, Kosten für Wartung, Unterbringung, Versicherung spielt der Treibstoff als Kostenfaktor nur eine untergordnete Rolle.

Klar gab es in der Vergangenheit immer wieder Fahrzeuge, deren Benzinverbrauch astronomische Dimensionen erreichte: man denke nur an den Bentley Blower, der im Renneinsatz um die 100 Liter auf 100km brauchte, die Strassenversion ohne Kompressor gab sich hingegen mit einem Bruchteil des Treibstoffs zufrieden und kann bei gemächlichem Tempo mit ca. 15 Liter auf 100km bewegt werden.

Man bedenke aber, dass diese Fahrzeuge mittlerweile 90 Jahre alt sind. Damals war Spritsparen kein Thema, erst bei der Ölkrise in den 70ern war die Notwendigkeit für treibstoffsparende Fahrzeuge gegeben. Waren es anfangs eher Kleinwagen, die mit einem Verbrauch von 6-7 Liter aufwarteten, so wurden in dieser Zeit auch die ersten wirklich sparsamen Limousinen auf den Markt gebracht. In erster Linie waren es damals Dieselfahrzeuge, die zwar sparsam waren, aber auch wenig Durchzug hatten. Mercedes baute damals geräumige Limousinen, die mit 6-8 Litern auf 100km auskamen. Die Fahrzeuge der ersten Baureihen wirkten aber extrem untermotorisiert und erreichten nicht einmal eine Höchstgeschwindigkeit von 130km/h.

Seit dieser Zeit hat sich aber am durchschnittlichen Spritverbrauch der Fahrzeuge nicht wirklich viel geändert: eine Mittelklasselimousine mit Dieselmotor braucht im praktischen Fahrbetrieb heute immer noch zwischen 5 und 8 Liter Diesel auf 100km, benzingetriebene Fahrzeuge um ca. 1- 2 Liter mehr. Die beliebten SUV's brauchen im Schnitt noch einmal 1-2 Liter mehr, im Extremfall bis zu 25 Liter auf 100km. Auch wenn von Fahrzeugherstellern die Benzinverbräuche schöngeredet werden, Durchschnittsverbräuche von unter 5 Litern werden mit modernen Fahrzeugen auch heute nur bei extrem defensiver Fahrweise ohne Stadtverkehr und ohne schnelle Autobahnfahrten erreicht.