<<<  |  Der Wiederverkaufswert
Mercedes Pagode - begehrt nicht nur unter Sammlern sondern auch unter Rosstäuschern © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Ferrari 121 LM, Ferrari Raritäten sind teuer wie nie zuvor © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Ferrari 250 SWB, exorbitanter Wertanstieg © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Ferrari 250 GTO, mehr geht nicht...© Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Ferrari Mondial - günstig zu bekommen, aber hohe Unterhaltskosten © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Jaguar E-Type - schön und begehrt, aber vorsicht! © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Jaguar XK, schöne Form sehr oft als Kaufentscheidung © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Jaguar XK, schöne Form sehr oft als Kaufentscheidung © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Porsche 911, begehrt, aber oft einen flasche Kaufentscheidung © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Vorkriegsalfas - Preise in Millionenhöhe © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Alfa Romeo Spider Gummilippe - Fahrspass um wenig Geld © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Ford Capri - Fahrspass um wenig Geld © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Auch ein offener Triumph ist erschwinglich und biete viel Spass © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Ich kann mich noch gut erinnern: vor einigen Jahren rief mich ein Bekannter an. Er will sich ein Auto kaufen und ich sollte ihm bei der Entscheidungsfindung behilflich sein. Wir klapperten Autohändler ab, wühlten uns durch Zeitschriften, Kataloge und Prospekte. Es sollte ein besonders Auto sein, nichts Alltägliches. Doch mit der Auswahl stieg die Qual der Wahl.
Schließlich fiel die Entscheidung – auf einen Golf Tdi – in grau. Ich fiel aus allen Wolken: wie konnte man nur zum langweiligsten aller langweiligen Autos greifen? Die Argumentation: der Wiederverkaufswert! Für mich ein absolutes KO-Kriterium beim Autokauf – oder überhaupt beim Kauf aller Dinge. Warum kauft man sich etwas, wenn man gleich beim Kauf schon an den Wiederverkauf denkt? Wenn ich mir etwas kaufe, dann will ich eine Freude damit haben und nicht schon beim Kauf daran denken, es wieder zu verkaufen. Aber offenbar ticke ich anders als viele, deshalb fahren auch viele mit langweiligen „Vernunftautos“ herum.

Deshalb hatte ich immer irgendwelche ausgefallenen Autos: einen Alfa 145, ein Fiat Coupe, einen weissen Volvo 850. Bei keinem Kauf war der Wiederverkaufswert entscheidend – alle Entscheidungen wurden aus dem Bauch heraus gefällt. Und keine dieser Entscheidungen habe ich wirklich bereut, im Gegenteil – jedes diese Fahrzeuge hat mir unheimlich Spass gemacht und mich überzeugt. So war der Alfa mit überraschend wenigen Problemen behaftet und hatte so gut wie keinen Rost, der Volvo war ein Benzinsparer und selbst der Fiat aus dem Jahre 1969 lief und lief und lief.
Speziell dieser Wagen war eine Entscheidung gegen jede Vernunft. Ich hatte den Fiat sozusagen „blind“ gekauft – der Wagen stand in einer Garage, es bestand aber keine Möglichkeit, den Wagen von unten zu inspizieren oder eine Probefahrt zu unternehmen. Die erste Fahrt unternahm ich, nachdem ich den Wagen angemeldet hatte – sie ging über die Wiener Höhenstrasse – und das ohne Probleme. Dass ich nun den Wagen nach mehr als 12 Jahren praktisch zum gleichen Preis verkauft habe, wie ich ihn damals erworben hatte, ist bei Oldtimern nichts Ungewöhnliches. Oldtimer gewinnen eher an Wert, als sie verlieren.

Diese Tastsache hat in der letzten Zeit in der Oldtimerszene allerdings zu heissen Diskussionen geführt. Beobachtet man die Preise ausgewählter Fahrzeuge, so fällt auf, dass es in den letzten Jahren bei manchen Oldtimern zu exorbitanten Preisanstiegen gekommen ist. So gut wie alle Ferraris vor 1970, einige Mercedes Typen, alte Rennsportwagen und verschiedene Fahrzeuge mit Sonderkarosserien haben ihren Wert innerhalb weniger Jahre vervielfacht. Für Ferrari 250 wurden astronomische Summen bezahlt, ebenso für einige Porsche Sportwagen. Der Grund liegt mit Sicherheit darin, dass Spekulanten hier auf den Geschmack gekommen sind und ihr Geld anstatt in Aktien, Gold oder Immobilien lieber in Oldtimer investieren. Dieser „Investitionsrausch“ hat zu einem wahren Boom bei manchen Oldtimermodellen geführt, bei Auktionen wurden Rekordergebnisse erzielt.

Diese Entwicklung hat einerseits zur Popularität der Oldtimerszene beigetragen, aber auch einige Probleme aufgeworfen:

• Manche Fahrzeuge sind für „normalsterbliche“ Oldtimerliebhaber nicht mehr erschwinglich. Die Preise sind derart hoch, dass an eine Anschaffung nicht mehr zu denken ist.

• Einige Fahrzeuge sind aus der Oldtimerszene komplett verschwunden. Die Besitzer haben aufgrund des hohen Werts der Fahrzeuge keine Lust mehr, an Veranstaltungen teilzunehmen bzw. fürchten um den Wertverlust ihres wertvollen Blechs.

• Andere Fahrzeuge wurden gewinnbringend an Spekulanten verkauft und fristen nun ein Dasein irgendeiner Garage, als ihrem angedachten Einsatzzweck nachzukommen.

• Viele Fahrzeuge sind nun in den Händen von Leuten, die rein gar nichts mit der Oldtimerei zu tun haben. Sie sind aus der Szene verschwunden, werden nicht mehr gefahren, sondern dienen als reine Wertanlage bzw. Spekulationsobjekt. Einem Oldtimer, der nie gefahren wird, droht das gleiche Schicksal, wie einer wertvollen Geige, die nie gespielt wird: der Wert wird irgendwann mal wieder sinken, da sich Schäden durch den Nichtgebrauch einstellen.

• Mit dem Wert der Oldtimer sind auch die Preise für Ersatzteile, Reparaturen und Versicherungen gestiegen. Für die Besitzer wertvoller Oldtimer bedeutet das eine Steigerung der Nebenkosten.

• Es tummeln sich mittlerweile einige Leute in der Oldtimerszene, die von der Materie keine Ahnung haben, die nicht wissen, wie man so ein Fahrzeug, pflegt, wie man es wartet und wie man damit fährt. Das geschieht einerseits zur Freude der, die ihr Geld mit Wartung und Service verdienen, manchmal aber auch zum Leidwesen anderer Oldtimerfreunde.

• In Zeiten des Booms haben auch Rosstäuscher Hochkonjunktur. Immer wieder tauchen dubiose Angebote von Fahrzeugen auf, bei denen man acht geben muss: Reimporte aus den USA, zusammengebastelte Fahrzeuge, schlecht restaurierte Wagen, die vordergründig als Schnäppchen angeboten werden und sich beim ersten Service als riesige Baustelle und Geldvernichtungsmaschine herausstellen.

Bei den Oldtimern möchte ich hier mal grob zwischen drei Preisklassen unterscheiden:

Günstige Oldtimer (Preisklasse 0,- bis 20.000,- Euro): darunter findet man viele Fahrzeuge aus den 60er und 70er Jahren, Youngtimer, US-Cars, Kleinwagen, günstige Sportwagen, aber auch Restaurationsobjekte. Bei diesen Fahrzeugen kann man in der Regel nicht viel falsch machen, wenn man sich einigermaßen auskennt oder beim Kauf einen Fachmann zu Rate zieht. Die meisten dieser Fahrzeuge sind im Unterhalt noch halbwegs erschwinglich und können meist ohne grossen Wertverlust wieder verkauft werden. Bei vielen Fahrzeugen hält sich aber die Wertsteigerung in Grenzen. Fahrzeuge wie ein Alfa oder Fiat Spider, ein Triumph, MG oder ein Ford Capri fallen in diese Klasse. Sie bieten maximalen Fahrspass für relativ geringes Geld bei überschaubaren Unterhaltskosten. In diese Klasse fallen aber auch Fahrzeuge, die aufgrund ihrer zu erwarteten Unterhaltskosten günstig abgegeben werden, sich aber später zur Geldvernichtungsmaschine entwickeln können.

Mittelpreisige Oldtimer (Preisklasse von 20.000,- bis 100.000,- Euro): in diese Preisklasse fallen viele Porsche- und Mercedes Modelle, sowie britische und italienische Sportwagen. Viele dieser Fahrzeuge sind begehrt und werden bereits als Anlageobjekte gekauft. Aber gerade in dieser Preisklasse wird viel Schindluder getrieben. Immer wieder tauchen Porsches und Mercedes Pagoden auf, die mit glänzendem Lack und duftendem Leder Eindruck bei der Kundschaft schinden, wo aber bereites nach den ersten Kilometern Probleme mit der Technik auftauchen (die nur provisorisch instand gesetzt wurde). Der Grat zwischen Wertanlage und aufwändigem Restaurationsobjekt ist hier manchmal sehr schmal.

Hochpreisige Oldtimer (Preisklasse ab 100.000,-): nach oben scheint hier keine Grenze gegeben zu sein. Ferrari Modell aus den 50er und 60er Jahren, Rennsportwagen und Raritäten erzielen bei Auktionen mittlerweile Preise in Millionenhöhe. Wer so ein Fahrzeug kauft, weiss in der Regel, worauf er sich einlässt, hat die notwendigen Ressourcen, um das Fahrzeug zu warten, zu pflegen und zu garagieren. Wer keine Ahnung von der Materie hat und trotzdem in dieser Preisklasse investieren will, sollte das nicht tun, ohne einen kompetenten Fachmann zu Rate zu ziehen.

Bei einigen Fahrzeugen ist allerdings bereits eine Trendumkehr zu bemerken: es gibt mittlerweile Oldtimer, die bereits wieder im Wert fallen, bzw. wo der starke Wertanstieg zum Stillstand gekommen ist.
Speziell bei Fahrzeuge aus den Vorkriegsjahren, bei denen die Ersatzteilbeschaffung schwierig ist und bei denen auch spezielle Fahrkenntnisse notwendig sind, sind die Preise bereits wieder am Fallen begriffen. Aber auch Fahrzeuge aus den 70er und 80er Jahren wollen wertmässig nicht so richtig in Fahrt kommen – und das ist auch gut so...

Abschliessend noch eine Bemerkung: da ich mich viel mit Oldtimern beschäftige, werde ich immer wieder um Rat gefragt. Vor einiger Zeit kommt ein Bekannter zu mir, der in der Finanzwelt erfolgreich ist und auf diese Weise viel Geld angehäuft hat. „Ich möchte mir einen Oldtimer kaufen, was kannst du mir da raten?“ – „Setzt dich rein und mach eine Probefahrt, der Wagen soll zu dir passen und die Fahrt soll dir Freude machen!“ – „Ich will ihn eher als Wertanlage kaufen.“ – „Dann kauf Gold oder Aktien, damit kennst du dich aus.“