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Puch G © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Afa Romeo "Matta" © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Willys MB © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Lada Taiga © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Monteverdi Safari © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Lamborghini LM 002 © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Puch G Rettungswagen © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
"Papamobil" Mercedes Benz G-Klasse © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Amphicar © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Auf Oldtimertreffen sieht man sie selten, und wenn, dann sind sie eher unscheinbar: kein Chrom, kein edles Interieur, gedeckte Farben. Die Rede ist von historischen Geländewagen. Die Typenvielfalt ist hier überschaubar, viele der Geländewagen wurden jahrzehntelang in fast unveränderter Form produziert und waren als Arbeitstiere im Einsatz.

Ursprünglich für den Militäreinsatz entwickelt, wurden die Fahrzeuge nach dem Krieg immer beliebter. Landwirte, Förster, Jäger und Off-Road-Freaks schätzten die Robustheit und Zuverlässigkeit der Geländewagen. In vielen Gegenden der Welt sind sie oft das einzig brauchbare Fortbewegungsmittel.

Die ersten Geländewagen waren Halbkettenfahrzeuge von André Citroën in den 1920er Jahren. Der 1940 entwickelte Willys MB gilt als Urahn aller Geländewagen. Der Wagen wurde ab 1942 von den Streitkräften eingesetzt, nach dem Krieg setzte der Jeep seinen Siegeszug als Zivilfahrzeug fort. Der robuste Wagen war bei Landwirten, Förstern, Jägern beliebt und verkaufte sich auch gut in Ländern, in denen die Strassen noch nicht gut ausgebaut waren. Als Mahindra wurde der Jeep CJ lange Zeit fast unverändert in Indien gebaut.

Ein weiterer Off-Road-Klassiker ist der Toyota Landcruiser. 1950 für das japanische Militär entwickelt, setzte sich der Landcruiser auch als Zivilfahrzeug durch. In ländlichen Gebieten Lateinamerikas, Afrikas und Asiens wird der Ur-Landcruiser auch heute noch als Alltagsfahrzeug eingesetzt. Auch im arabischen Raum erfreut sich der Landcruiser grosser Beliebtheit.

Auch Suzuki baute mit dem SJ/Samurai einen kleinen Geländewagen, der sehr erfolgreich wurde. Das Nachfolgemodell Jimny wird nach wie vor produziert und erfreut sich besonders bei Jägern und Förstern grosser Beliebtheit.

Auf keinen Fall dürfen die Land-Rover und Range-Rover Modelle in der Aufzählung fehlen. Der Ur-Land-Rover kam 1948 auf den Markt. Auf einem Leiterrahmen saß eine Karosserie aus Aluminiumblech. 1970 wurde dem rustikalen Land-Rover der Range-Rover zur Seite gestellt. Grösser, schwerer und stärker motorisiert war der Range-Rover Wegbereiter für die heute sehr populären SUV. Im Gegensatz zu diesen sind die Range-Rover aber äusserst geländetauglich.

In Österreich war es vor allem die Steyr Daimler Puch AG, die sich mit dem Bau von Geländewagen auseinandersetzte. Ursprünglich für das österreichische Bundesheer gebaut, wurde der Puch Haflinger auch gerne als Zivilfahrzeug eingesetzt. Klein, leicht und gebirgstauglich sind die Haflinger, die ab 1971 durch die grösseren Pinzgauer ersetzt wurden.

Ein äusserst erfolgreicher Geländewagen wurde ebenfalls in Österreich entwickelt und wird bis heute in Graz produziert: der Puch/Mercedes G.

Auch in Osteuropa wird ein Geländewagen-Klassiker produziert: seit 1976 gibt es den russischen Lada Taiga/Niva.

Neben den populären Geländewagen gibt es auch eine grosse Anzahl von Raritäten und kuriosen Kleinserien-Fahrzeugen:

Lamborghini baute mit dem LM 002 einen grossen, schweren Geländewagen, der vom Motor des Countach angetrieben wird. Mehr Show-Car als Geländewagen zählt dieser Wagen heute zu den absoluten Raritäten.

Der Monteverdi Safari zählt ebenfalls zu den Raritäten, nur 200 Stück wurden davon in der Schweiz gebaut.

Auch von Alfa Romeo gab es einen allradgetriebenen Geländewagen, den 1900 M, genannt "Matta" (die Irre).

Nicht nur abseits der befestigten Strassen, sondern auch im Wasser kann das Amphicar fahren.

Fast alle diese Fahrzeuge haben eines gemeinsam: sie ähneln im Aufbau mehr einem LKW als einem PKW. Das Grundgerüst bildet ein stabiler Kasten- oder Leiterrahmen. Diese Konstruktion ermöglicht unterschiedliche Aufbauten: ein offener Aufbau, zwei- vier- oder fünftürige Kabinenaufbauten, Pick-Up Aufbauten und Wohncontainer-Aufbauten sind möglich. Am Leiterrahmen können Seilwinden und Anhängevorrichtungen befestigt werden. Viele dieser Geländewagen sind noch mit Blattfedern ausgestattet, manche davon mit Schraubenfedern. Diese einfachen Konstruktionen ermöglichen im Bedarfsfall eine Erhöhung der Bodenfreiheit. Der Antrieb erfolgt meistens über spezielle Getriebe, die ein oder zwei kurz übersetzte Gänge aufweisen. Zusätzlich verfügen die Geländewagen über Sperrdifferenziale. Auch bei den Motoren fällt die Auswahl sehr oft auf robuste, drehmomentstarke Aggregate, die Ansaugvorrichtungen sind sehr oft weit nach oben verlegt, um eine hohe Wattiefe zu erzielen. Im Gegensatz zu den Geländewagen sind die heutzutage beliebten SUV nur bedingt geländetauglich. Die Karosserien sind selbsttragend und ähneln einer PKW-Karosserie. Viele der SUV verfügen nicht einmal über einen vollwertigen Allradantrieb.