<<<  |  Mille Miglia 2012
Starkregen auf der Tauernautobahn © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Schneegestöber vor dem Tauerntunnel © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
gut eingeparkt in Bolgogna © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Marktszene in Bolgogna © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Auf dem Weg nach San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Pause auf dem Weg nach San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Touristenfoto in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mercedes Benz 300 SL in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Porsche 550 Spyder in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in San Marino © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in Sanselpolcro © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in Sanselpolcro © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in Sanselpolcro © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in Siena © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Mille Miglia in Siena © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Galleria Ferrari in Maranello © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Nachdem wir bereits 2008 eine Reise zur Mille Miglia mit dem Fiat 124 Sport unternommen hatten, bestand auch heuer wieder einmal der Reiz, die Reise auf diese Art in Angriff zu nehmen. Mein Kollege war bereits in Bologna, ich musste daher die Anreise alleine bewältigen. Eine lange Autobahnfahrt am Mittwoch stand vor mir und als ich am Morgen aus dem Fenster schaute, war ich nicht ganz so begeistert von der Idee: es regnete in Strömen, im Radio hörte ich etwas von einer Schneefallgrenze, die bei 700m liegt. Ich setzte mich in meinen Volvo und fuhr damit zur Garage, wo der Fiat eingestellt war. Es kostet viel Überwindung, von einem geräumigen, leisen und vollklimatisierten Kombi in ein mehr als 40 Jahre altes Sportcoupe einzusteigen, das in der Regel nur bei Sonnenschein bewegt wird.

"Da musst Du durch", war mein Gedanke...ich packte die Sachen in den knapp bemessenen Kofferraum des Fiat und fuhr ihn aus der Garage. Trotz widriger Umstände machte die Fahrt auf der Autobahn Spass. Mehr als 100 fuhr ohnehin niemand, da es bis Salzburg wie aus Kübeln goss. Auf der Tauernautobahn begegneten mir ein paar seltsame Gefährte, die auf dem Weg zum GTI-Treffen nach Kärnten waren. Kurz vor Eben trafen die ersten Schneeflocken auf die Windschutzscheibe und ich beschloss, durch den Tunnel anstatt über den Pass zu fahren.

Erst im Kanaltal ließ der Regen nach, dafür nahm der Verkehr zu. In dichtem Nachmittagsverkehr erreichte ich schliesslich die Altstadt von Bologna nach ca. 8 Stunden Fahrzeit.

Der 17.05. begann sonnig aber kalt. Wir machten uns auf dem Weg zur Küste, nahmen aber nicht den kürzesten Weg, sondern nahmen einen Abstecher über die berge. Die Strassen wurden enger und steiler, schliesslich begegneten uns nur mehr Traktoren und Mountain-Biker. Herrliche Blicke über die Hügellandschaft bis zum Meer waren die Lohn für endloses Lenkraddrehen.

Ein gutes Quartier in Cesenatico war bald gefunden, nach einem Drink in der Strandbar ging's ab ins Hotel, wo wir uns für den nächsten Tag vorbereiteten.

Am 18.05. musste wir bald aufstehen, immerhin wollten wir rechtzeitig bei der Ankunft der ersten Fahrzeuge in San Marino sein. Auf dem Weg dorthin begenten uns schon einige Oldtimerfans, die ebenfalls mit ihren Fahrzeugen angereist waren.

Herrliches Frühlingswetter erwartete uns oben in San Marino. Der Stadtstaat in den Bergen ist jedes Mal ein Highlight der Mille Miglia. Blickt man die steilen Klippen hinab, sieht man die Fahrzeuge über die Serpentinenstraße hinauffahren. Manche Kurven sind so eng, dass grössere Wagen reversieren müssen. Manchmal helfen aufmerksame Zuschauer dabei und schieben den Wagen ein Stück zurück, damit der Fahrer nicht den umständlichen Wechsel in den Rückwärtsgang vornehmen muss. Es wird heiss und bei manchen Wagen beginnen die ersten technischen Probleme: Kühler kochen über, Kupplungen stinken. Viel Zeit für eine Pause bleibt aber nicht.

Es geht weiter in Richtung Süden. Auch wir fahren dem Tross hinterher, das nächste Ziel ist Sansepolcro. Gleich nach dem Stadttor werden die Fahrer von traditionell gekleideten Trommlern empfangen. Für uns ist heute die Fahrt zu Ende. Wir lassen die Oldtimer weiter bis nach Rom ziehen und suchen uns in der Nähe von Arezzo ein Quartier. Siena ist unser nächstes Ziel.

Auch am nächsten Tag erwartet uns prächtiges Wetter. Wir geniessen die Fahrt nach Siena und haben dort noch genug Zeit für einen gemütlichen Kaffee. Bevor die ersten Mille Miglia-Fahrzeuge kommen, fahren an die 200 Ferrari durch die Stadt. Als Side-Event wird diese Fahrt auf den Spuren der Mille Miglia angeboten. Mitmachen kann jeder, der über einen Ferrari und über genug Geld verfügt. Billig ist der Spass nicht, dafür mit Sicherheit ein einzigartiges Erlebnis für die Teilnehmer aus Europa, aber auch aus Arabien, Südamerika, China, Indien oder Singapur.

Kaum sind die Ferrari vorbei, bahnen sich die ersten Bugatti, OM Superba und Alfa 6C durch die Menschenmenge. Wir wollen noch weiter, rauf in den Norden bis nach Maranello.

Auf dem Parkplatz vor der Galleria Ferrari warten seit der Früh die Ferrari-Fans. Wer ein paarhundert Euro zu viel hat, kann sich einen Ferrari ausborgen und schnell damit ein paar Runden auf der Teststrecke in Fiorano drehen. Wir belassen es bei einem Besuch im Ferrari-Museum...gefahren sind wir schon genug, und es liegen auch noch ein paar anstrengende Kilometer vor uns. Der Besuch im Museum gehört zum Standardprogramm. Ständig wechselnde Ausstellungen zeigen immer neue, interessante Fahrzeuge. Diesmal war unter anderem der legendäre "Bread-Van" zu sehen.

Als ich zum Auto zurückkomme, stehen schon ein paar Italiener um unseren Fiat. "Centoventiquattrosport!" - ein älterer Herr erzählt seinem Enkel, dass er damals mit einem 124 Coupe mit seiner Oma ins Kino gefahren ist. Der Wagen erregt nicht weniger Aufmerksamkeit als die zahlreichen Ferrari im Parkplatz. Die Tatsache, dass wir aus Österreich hierhergefahren sind, gefällt den Italienern. Einer lädt uns auf einen Kaffee ein und zieht einen Stapel alter Autohefte aus seiner Tasche. Die müssen wir unbedingt mitnehmen....Fahrberichte vom 124 Sport, ein Vergleichstest zwischen Lancia Fulvia, Alfa Bertone und 124 Coupe. Original-italienisch-Ausgabe 1971.

Wir wären gerne noch länger geblieben, aber unser Weg ist noch lang. Zwischen Maranello und Reutte in Tirol liegt noch ein ordentliches Stück Autobahn. Es ist schon stockfinster, als wir schliesslich über den Fernpass fahren. Der Wagen läuft noch gut, aber manchmal spüre ich ein Ruckeln.

Als ich im nächsten Tag zur letzten Etappe aufbreche, ist das Ruckeln noch immer da. Ich kenne meinen Wagen: das macht er öfters, wenn es im Winter kalt ist. Einmal kurz mit dem Choker starten, ein paar Minuten warmlaufen lassen, abstellen und nach einer Minute neu starten. Das war immer das Rezept, wie man dem Wagen auch bei winterlichen Temperaturen einen runden Motorlauf beibringen konnte. Aber diesmal wollte er einfach nicht. Selbst als ich schon auf der deutschen Autobahn fuhr, hatte ich immer das Gefühl, mit einem kalten Motor unterwegs zu sein. Und dann plötzlich kurz vor Rosenheim - der Wagen beginnt stark zu ruckeln und stirbt schliesslich bei voller Fahrt ab. Ich rolle auf einen Pannenplatz aus.

In solchen Situationen denkt man schon an das schlimmste: "Motorschaden!" Ich wage es gar nicht, die Motorhaube zu öffnen....schliesslich ziehe ich doch am Hebel und wage einen Blick in den Motorraum. Aber hier scheint alles in Ordnung zu sein: keine Sauerei, kein Gestank, der Zahnriemen straff gespannt, der Ölstand in Ordnung. Ich betätige erneut den Anlasser, der Motor dreht schön durch, springt aber nicht an. Ich wackle an den Zündkabeln...neuer Startversuch.....wieder nichts. Mittlerweile ist der Motor schon ein wenig abgekühlt und ich taste den Motorraum ab.  Und plötzlich habe ich ein Kabel in den Händen, dass sich offenbar irgendwo gelöst hat. Ein Blick von unten bringt Klarheit: das Kabel gehört an die Zündspule! Die Vibrationen durch die lange Autobahnfahrt haben dazu geführt, dass sich das Kabel einfach von der Zündspule verabschiedet hat. Mit der Kombizange ein wenig zurechtgebogen - Kontaktspray drauf und wieder auf die Zündspule gesteckt - schon geht die Fahrt weiter. Zwei Stunden später darf der Motor endlich auskühlen. 2500km in vier Tagen- das ist ganz schon viel für einen mehr als 40 Jahre alten Wagen. Er hat die Fahrt unbeschadet überstanden, meine Ohren hingegen brauchen ein wenig Erholung.

CENTOVENTOQUATTROSPORT

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Text und Fotos: Wolfgang Simlinger

Die Fotos wurden analog auf SW-Film mit einer 30 Jahre alten Leica aufgenommen.