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Navigation
Navigation - Kartenmaterial in unterschiedlichen Maßstäben
Navigation - Roadbook
Kartenmaterial im Ausland ist manchmal mit Vorsicht zu genießen
In Europa sind die Straßen durchwegs gut beschildert
On the Road - hier in Spanien
Die Sonne zeigt die Himmelsrichtung an
Hier kann man sich nicht verfahren
immer der Nase nach....
vergiss das Navi hier....
Fahrt durch halb Europa - lange bevor es GPS gab - kein Problem
Navigation in den 90er Jahren...wenn man bedenkt, dass ich mit so einer Karte 3 Wochen lang das ganze Land bereits habe....
Viele denken bei dem Wort Navigation sofort an ein Gerät im Auto, das einem den Weg ansagt. Mittlerweile gibt es kaum ein Auto, in dem nicht so ein Gerät werkelt. Selbst den Weg zum nächsten Supermarkt schaffen manche offenbar nicht mehr ohne Navigationshilfe.

Man drehe jedoch das Rad der Zeit zurück und überlege, wie das vor 20 Jahren ausgesehen hat. Damals wusste man den Weg, und wenn man einmal nicht mehr weiter wusste, dann gab es eine Landkarte. Auf diese Art und Weise wurde die halbe Welt bereits. Von den Niederlanden bis nach Spanien, von Sizilien bis ans Nordkap.

Und in 20 Jahren hat sich nicht viel geändert: auch wenn einige Strassen verlegt oder neu gebaut wurden, das Prinzip ist gleich geblieben: eine Strasse verbindet zwei Orte, dazwischen gibt es Kreuzungen. Auf den Autobahnen und Schnellstraßen gibt es Auf- und Abfahrten, die überwiegen rechts an die Strasse herangeführt werden. Auch an der Beschilderung hat sich nicht viel geändert – im Gegenteil – sie wurde weitgehend verbessert.

Ich habe hier mal ein paar Möglichkeiten der Navigation zusammengefasst:

1. Navigation nach Gedächtnis: der Grossteil der Fahrstrecken kann eigentlich aus dem Gedächtnis heraus bewältigt werden. Sobald man eine Strecke einmal gefahren ist, sollte man eigentlich in der Lage sein, diese Fahrt zu wiederholen. Der Weg zur Arbeit, der Weg zum Einkauf, zu Freunden, Verwandten – alles Wege, die man schon unzählige Male bewältigt hat und die man auswendig kennt.

2. Navigation anhand von Verkehrsschildern: Landstraßen und Autobahnen sind in Europa sehr gut beschildert. Fährt man auf Überlandstrecken oder peilt eine größere Stadt an, so kann man sich durch die Beschilderung leiten lasen. Bei längeren Strecken ist es ratsam, sich einige Fixpunkte (grössere Städte, Autobahnkreuze,...) einzuprägen. Auf diese Art und Weise sind wir durch halb Europa gefahren, ohne einmal eine Karte zur Hand zu nehmen. Von Wien in die Niederlande, von Hamburg bis Schweden, von Linz bis nach Perpignan an die spanische Grenze. Problematisch wird die Sache nur in verschiedenen Ländern Asiens, oder in Osteuropa, wo auf eine Beschilderung oft gänzlich verzichtet wird oder sie in einer anderen Schrift ausgeführt ist.

3. Kartennavigation: der Maßstab und die Aktualität der Karte ist hier entscheidend. Für Überlandfahrten, die hauptsächlich auf Landstraßen oder Autobahnen bewältigt werden, reicht ein Kartenmaßstab von 1:500.000 vollkommen aus. Gute Landkarten mit Maßstäben von 1:200.000 eignen sich auch zu Fahrten auf Nebenstraßen oder Güterwegen. Für Fahrten in Städten oder Wanderungen im Gelände sind Detailkarten in den Maßstäben von 1.20.000 bis 1.50.000 nötig. In guten Stadtplänen sind auch Hausnummern, Einbahnstrecken und Straßennahmen ersichtlich. Auch im historischen Motorsport wird die Kartennavigation gelegentlich angewandt. Einige Rallyes werden teilweise oder komplett nach Karten gefahren. Der Vorteil der Landkarte liegt auf der Hand: sie ist übersichtlich, funktioniert an jedem Ort und lässt sich überall hin mitnehmen. Als Nachteil ist lediglich die mangelnde Aktualisierung anzuführen.

4. Navigation nach digitalem Kartenmaterial: im Moment ist das meine bevorzugte Art der Navigation. Im Internet gibt es unterschiedliche Dienste, die digitales Kartenmaterial bereitstellen, allen voran Google Maps. Dieses Kartenmaterial hat verschiedene Vorteile: es ist aktuell, lässt sich beliebig skalieren und hat ist mit vielen Zusatzfunktionen ausgestattet (Routenplaner, Adressuche,....). Zusätzlich kann in den meisten Gegende auf die Anzeige des Satellitenbildes umgeschaltet werden, das eine gute Vorstellung des Zielbereichs vermittelt. Bei mir unbekannten Reisezielen wende ich diese Methode sehr gerne an: ich sehe mir die Reiseroute bzw. das Zielgebiet am Computer vor Reiseantritt an, präge mir die Route im Gedächtnis ein und fahre los. Die Betrachtung am Satellitenbild hat diesbezüglich Vorteile: ich kann z.B. das Zielgebiet nach Parkmöglichkeiten absuchen. Für den Fall, dass man sich die Fahrtroute nicht merken will, kann man immer noch den Plan oder die Wegbeschreibung ausdrucken, das ist aber in den seltensten Fällen notwendig.

5. Fahrt nach Roadbook: diese Methode wird vor allem im Rallyesport angewandt. Auf dem Roadbook sind Abzweigungen und wichtige Landmarken (z.B. Ortseinfahrten, Passhöhen, markante Gebäude,...) eingezeichnet. Die Bezeichnung erfolgt nach einheitlichen Schriftzeichen. Zusätzlich gibt es Entfernungsangaben zwischen den Punkten und ab dem Startpunkt. Im Rallyesport spielt das sogenannte „Gebetbuch“eine wichtige Rolle. Es ist das wichtigste Kommunikationsmittel im Team, im Roadbook werden auch wichtige Details bezüglich der Streckenführung (Kurven, Straßenbeschaffenheit,...) vermerkt. Die Aufgabe des Beifahrers ist es, den Fahrer anhand des Roadbooks durch das Rennen zu geleiten.

6. "Fahrt nach Gefühl": man soll es nicht glauben, aber es funktioniert unheimlich gut. Ich bin oft stundenlang unterwegs, orientiere mich an gewissen Fixpunkten und an der Himmelsrichtung - und komme immer wieder an. Gerade bei Fahrten durchs Mühl- oder Waldviertel plane ich etwas mehr Zeit ein und taste mich auf Nebenstrassen und Güterwegen ans Ziel. Fast immer bin ich schneller dort als erwartet, lerne auf diese Art und Weise die Gegend neu kennen.

7. Navigationsgeräte: das erste Navigationssystem brachte Honda 1981 auf den Markt, den Electro Gyrocator. Im Heck des Fahrzeugs befand sich ein Vakuumtank, in dem ein aus der Luftfahrt übernommener Drehwinkelsensor Richtungsänderungen erfasste. Die ersten GPS – unterstützten Navigationssysteme kamen dann in den 90er Jahren zum Einsatz, waren aber im Vergleich zu aktuellen Systemen noch sehr ungenau. Im Laufe der Jahre wurden die Systeme kontinuierlich verbessert. Sowohl die Bedienung, als auch die Genauigkeit ist heute bereits sehr gut. Viele Fahrzeuge haben das System bereits integriert, meistens werden aber transportable Geräte und auch Smartphones zur Navigation genutzt. Trotzdem bin ich nach wie vor etwas kritisch, was die Technologie betrifft. Gerade bei meinem Einsatzgebiet hat sich die Technologie sehr oft als unzureichend erwiesen.

Jenen, die bei mir im Auto mitfahren, ist vielleicht schon mal etwas aufgefallen: die Unterhaltung wird durch keine Stimme unterbrochen, die vor jeder Kreuzung so etwas sagt wie "bitte links abbiegen". Es gibt auch kein Display, das die Sicht auf die Strasse verstellt. Es wird einfach von A nach B gefahren. So wie vor 20 Jahren komme ich ans Ziel, egal in welchem Fahrzeug, es gibt bei mir kein Navi im Auto. Zumindest nicht in der Fahrgastzelle. Wie bei vielen Dingen war ich einer der ersten, die sich mit der Technologie beschäftigten: bereits vor mehr als 20 Jahren war ich mit GPS vertraut, machte allerhand Vermessungsarbeiten und sogar meine Diplomarbeit mit GPS-Unterstützung. Und irgendwann besorgte ich mir auch ein Navi.

Bereits der erste "Testlauf" machte mich ein wenig nachdenklich: ich suchte eine geeignete Route, die mich von meiner Wohnung in den Rothwald führte. Also gab ich "Rothwald" ins Navi ein und das Teil schlug mir eine Route vor, die ich noch nie gewählt hatte. Als Insider wusste ich sofort: diese Route führt mich ins Nirvana: das Navi hatte offenbar keine Ahnung, dass sich wenige Kilometer vor dem Ziel ein Schranken der Bundesforste befindet, der im Regelfall versperrt ist. Also wählte ich die übliche Route über Wildalpen, aber auch hier kam das Navi ordentlich in Strudeln: für die Fahrt von Wildalpen nach Rothwald wurde eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 60km/h errechnet. Und das für eine großteils einspurige Schotterstraße auf der immer wieder mit Gegenverkehr zu rechnen ist.

Den zweiten Versuch startete ich bei einer Fahrt nach Wien: und es klappte beinahe. Das Navi führte mich zielgenau an die Adresse in den 1. Wiener Gemeindebezirk. Nach nicht einmal zwei Stunden stand ich genau vor der angepeilten Adresse. Pech nur, dass sich dort weit und breit kein Parkplatz befand. So ist das nun mal, im 1. Bezirk. Man kann dann auswählen zwischen Parkhäusern, in denen die für die Stunde Parken mehr als 4,- Euro verlangt werden oder parkplatzsuchend durch den 1. Bezirk zu quälen (am besten noch im Schritttempo hinter einem Fiaker). Oder man macht das, was man eigentlich immer gemacht hat: man meidet den 1. Bezirk, parkt sein Fahrzeug an einer strategisch günstigen Stelle und besucht die Innenstadt zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier habe ich natürlich einen entscheidenden Vorteil, den mir kein Navi abnehmen kann: als langjähriger Pressefotograf kennt man die Stadt in- und auswendig, weiß, wo man zu welcher Zeit einen Parkplatz findet und kennt die schnellsten Routen, die einem zum Ziel führen. Das ist aber nicht nur in Wien so: fast alle österreichischen Städte werden von mir derart heimgesucht: entweder gleich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, nur in Ausnahmefällen fahre ich mit dem Auto, parke aber meist an strategisch günstiger Stelle und bewege mich in der Stadt fast nur zu Fuß oder mit schnellen öffentlichen Verkehrsmitteln. Dass ich auf diese Art und Weise in 20 Jahren so gut wie nie zu einem Termin zu spät gekommen bin, bestätigt meine Art der Fortbewegung.

Eine dritte Chance gab ich meinem Navi noch: ich musste auf eine Baustelle. Hier scheiterte das Gerät bereits bei der Eingabe. Die Adresse war noch nicht gespeichert und wurde nicht erkannt. Also wanderte das Navi in den Kofferraum und sollte dort bleiben, bis zu einer Notsituation, in der ich komplette die Orientierung verlieren sollte. Dieser Fall ist bis heute nicht eingetreten. Das Navi hat nun schon mehrere Jahre im Kofferraum verbracht und ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt noch funktioniert.

Ich habe mir auch manchmal Gedanken gemacht, warum es nie zu dieser Situation gekommen ist, die Gründe sind unterschiedlich:

1. Ich habe bereits sehr früh gelernt, Karten zu lesen und mich im Gelände zu orientieren. Unsere erste große Reise führte uns von Österreich mit dem Fahrrad nach Monaco. Als Orientierungshilfe diente damals eine Straßenkarte und ein selbstgezeichnetes Höhenprofil der Alpenpässe. Wir kamen nach zwei Wochen in Monaco an, ohne uns einmal verfahren zu haben.

2. Ich war sehr viel in unterschiedlichen Ländern unterwegs. Nicht überall ist die Orientierung so einfach wie hierzulande. Es gibt genug Länder, in denen die Strassen schlecht oder gar nicht beschildert sind und das Kartenmaterial längst überholt ist. Hier ist man viel auf Improvisation und seinen Orientierungssinn angewiesen.

3. Orientierung ist einfach: in gebirgigen Gegenden kann man sich gut an den Gebirgszügen bzw. an den Tälern orientieren. In vielen Gegenden gibt es ohnehin nur die Möglichkeit, dem Talverlauf zu folgen. Auch kann man sich gut an der Sonne orientieren, selbst bei bedecktem Wetter gibt es irgendwo eine hellere und eine dunklere Stelle am Himmel.

4.95% der Fahrziele kenne ich auswendig, da ich sie schon einmal angefahren habe.

5. Wenn ich ein Fahrziel wirklich nicht kenne, dann suche ich vor Fahrtantritt die günstigste Anfahrmöglichkeit, präge sie ein und fahre nach Gedächtnis. Selbst bei lange Fahrstrecken sind oft überraschend wenige Abbiegemöglichkeiten, die man sich merken muss

6. Ein Teil meiner Anfahrtsziele liegt außerhalb des von Navigationsgeräten erfassten Bereichs (Baustellen, Forststraßen, Güterwege). Hier bin ich ohnehin auf eine genaue Wegbeschreibung bzw. detaillierte Karten oder Anfahrtspläne angewiesen.

7. Ich liebe Landkarten. Als jemand, der alte Landkarten sammelt und eine Zeit lang beruflich damit zu tun hate, sind mir schöne Landkarten ans Herz gewachsen. Sie sind schöner und wesentlich unübersichtlicher als ein Display, auf dem man nur einen Kartenausschnitt sieht.

Ich habe daher beschlossen, mir weder ein neues Navigationsgerät anzuschaffen, noch mein altes in Gang zu setzen. Nach mehreren Hunderttausend Kilometern ohne Navi und tausenden punktgenauen Landungen werden noch weitere Kilometer folgen, auf denen ich entspannt Musik hören oder mich mit meinen Beifahrern unterhalten kann ohne durch eine komische Stimme gestört zu werden.