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Ferrari 250 GTO Conversion mit dem Motor eines 330 GT © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Ferrari 250 GTO Conversion mit dem Motor eines 330 GT © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Bugatti Replica auf VW Basis © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Brandleiche einer Cobra Replica © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Lustige Dinge findet man z.B. in Ecuador © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Cabrio Marke Flex © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
...hier offenbar noch nicht ganz fertig... © Wolfgang Simlinger für motorclassic.at
Bei mir ums Eck stand unlängst ein BMW. M5 prangte groß am Heck des Wagens, ein dezenter Spoiler, seitliche Lufteinlässe und breite Reifen markierten deutlich die Potenz des Wagens. Neugierig spähte ich durch die Seitenscheibe – die Ernüchterung stellte sich nach einem Blick auf das Armaturenbrett ein: es war ein stinknormaler Fünfer, erkennbar am Standardtacho, der bis maximal 260 anzeigt und einem Drehzahlmesser, dessen roter Bereich bereits in äusserst unsportlichen Regionen beginnt. Irgendwie peinlich, dachte ich, warum macht man so etwas? Ein Schaf im Wolfspelz, schlimmer als eine gefälschte Rolex vom Mexicoplatz.

Offenbar ist die Marke BMW sehr anfällig für derartige Spässe, im Internet hat sich ein regelrechter Markt dafür entwickelt. Um ein paar Euro bekommt man M3 und M5 Embleme, Spiegel Spoiler und Auspuffattrappen kosten auch nicht die Welt. Ein paar Hunderter und ein paar Arbeitsstunden investiert und schon steht der 320er da wie ein M3 und klingt mit viel Phantasie auch noch danach. „Optisches Tuning“ heisst das Stichwort und wer glaubt, dass sich die Geschichte auf BMW’s, VW und Audi beschränkt, der irrt. Auch in der Oldtimerszene sind Mogelpackungen unterwegs. So gibt es von einigen Fahrzeugtypen wesentlich mehr Kopien als Originalfahrzeuge.

Trotzdem muss man hier verschieden Arten von Kopien unterscheiden:

Recreation oder Conversion:

Bei der Recreation handelt es sich um eine detailgetreue Nachbildung des Fahrzeugs. Sehr oft werden hier Teile des Herstellers verwendet. Auch die verwendeten Materialen stimmen überwiegend mit dem Originalfahrzeug überein. Manchmal sind Recreations nur durch einen Fachmann vom Originalfahrzeug zu unterscheiden, da sie technische aufwändig und detailgetreu verarbeitet sind. Recreations gibt es hauptsächlich von sehr hochpreisigen Fahrzeugen. Bekannt sind u.a. Recreations von diversen Ferrari-Typen (250 GTO, 250 SWB, Daytona Spider,...) Bei vielen Recreations wurden Ferrari Motoren und Getriebe verwendet. Zu diesem Zweck wurden günstigere Ferrari Modelle (z.B. 250 GTE oder 330 GT 2+2) ausgeschlachtet. Die hier gezeigte Ferrari 250 GTO Conversion wurde 1965 aufgebaut und ist mit dem Motor aus dem ferrari 330 GT bestückt.
Auch von diversen Rennwagen und Supersportwagen gibt es gute und hochwertige Recreations, die qualitativ oft besser sind als das Originalfahrzeug. So tauchen immer wieder Recreations von Ford GT40, AC Cobra, Lancia Stratos, Porsche 917 und diverser Vorkriegswagen auf. Gut gemachte Recreations haben mittlerweile Sammlerwert und Ferrari Nachbauten mit originalen Ferrari Motoren erzielen bereits hohe Preise. Viele Recreations können als Bausatz erworben werden und werden in der Hand eines guten Mechanikers zu vollwertigen Fahrzeugen. Manchmal wird aber auch einfach nur zur Flex gegriffen und das Dach abgeschnitten. Auf diese Weise entstanden z.B. einige Ferrari Cabriolets.

Replica:

Bei der Replica steht das Erscheinungsbild im Vordergrund. Die meisten Replicas sehen zwar aus wie das Original, sind aber technisch nur mehr entfernt mit dem Originalfahrzeug verwandt. Sehr oft werden andere günstige Fahrzeuge als Basis hergenommen. Auf diesen Fahrzeugen wird dann eine Karosserie aufgebaut, die aber sehr oft schon aus Kunststoff oder Polyester besteht und nur mehr optisch mit der Originalkarosserie vergleichbar ist.
Bekannt sind vor allem die Cobra Replicas. Hier gibt es unterschiedliche Typen, meist angetrieben von einem amerikanischen V8 Motor. Einige Sportwagen Replicas basieren auf dem Mittelmotor-Sportwagen Pontiac Fiero, andere wiederum werden auf Porsche 924, Datsun Z oder VW Käfer aufgebaut.
Bekannt sind hier vor allem die unzähligen Bugatti Replicas auf VW Basis, die ausser der Form rein gar nichts mit Bugatti gemeinsam haben. Unter der langen Motorhaube lässt sich bei diesen Fahrzeugen das Gepäck verstauen. Replicas gibt es auch von anderen Vorkriegswagen, teilweise sehr gut gemacht, teilweise eine Katastrophe Bei manchen Replicas wurde nur die Aussenhülle optisch auf alt gestaltet, bei der Instrumentierung wurde dann gespart und man betätigt als Fahrer Schalter im Stil der 80er Jahre.

Die meisten Replicas sind als Kit-Car oder als fertiges Auto erhältlich. In den USA gibt es zahlreiche Firmen, die diese Bausätze anbieten. Es gibt aber immer wieder Enthusiasten, die ihr Fahrzeug in Eigenregie umbauen und alle Hürden bezüglich Typisierung in Kauf nehmen. In letzter Zeit häuften sich auch Umbauten zu klassischen Rennfahrzeugen. Jeder Oldtimerfreund kennt sicher die „rote Sau“, den Mercedes 300SEL 6,8. Einige Restauratoren machten sich die Mühe „normale“ 300 SEL 6,3 zu „roten Säuen“ aufzubauen, montierten ohne Breitreifen, Rennsitze und das obligatorische Sportlenkrad und lackierten den Wagen in leuchtendem Rot. Einige dieser Wagen sind wirklich gut gelungen und aufgrund ihrer moderner Technik und Abstimmung dem Originalfahrzeug vielleicht sogar überlegen. Daneben wird aber auch ordentlich geschummelt: vor allem Porsche Carreras und diverse Abarth-Modelle sind in den letzten Jahren aus dem Boden gewachsen wie die Schwammerl. Oft verbirgt sich unter der grimmigen Hülle ein „normaler“ 911er oder ein auffrisierter Fiat. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, wohl muss man aber als Käufer gut aufpassen, dass einem kein falscher Hase untergejubelt wird.